Montag, September 26, 2005

September 26, 2005: Jungfrau(40), männlich, sucht

Als der Trailer zu diesem Film in den letzten 2-3 Wochen immer im Vorprogramm lief, war mir schon klar, dass der Film nur ein ausgemachter Stumpfsinn sein kann und ich habe befürchtet, dass er uns noch heimsuchen wird. Der Trailer schrie einfach nach Sneak, ganz laut und ganz schlimm...

Doch es kam alles anders... Dieser Film entpuppte sich als ein Schaf im Wolfspelz und alle Befürchtungen waren umsonst. Es ist geradezu köstlich der Hauptfigur durch dessen kleines, bescheidenes Leben zu folgen und die ganze Unsicherheit hautnah mitzuerleben. Dabei jagt ein Lacher den nächsten und schmutzige Witze und zwei- bis dreideutige Anspielungen lauern auch an jeder Ecke. Die Geschichte ist kurz zusammengefasst: Mann hat nichts erreicht, weder was das berufliche angeht noch im privaten. Er wohnt in Untermiete bei einem älteren Ehepaar zusammen mit circa 500 orginalverpackten(!!!) Actionfiguren, die für ihn neben seinem Elektronikkrimskrams das bedeutendste im Leben sind. Jeden Tag fährt er mit dem Rad zur Arbeit, wo er abgeschirmt von allen Kunden im Lager seine Dienste leistet. Irgendwann bekommen seine Kollegen vom verkorksten Privatleben Wind und beschliessen ihm eine "Nummer" zu beschaffen. Natürlich passieren dabei unglaublich viele, aber sehr lustige Pannen und eigentlich klappt garnichts. Nebenbei schließt er Bekanntschaft mit einer anderen netten Dame. Bekanntschaft wird Freundschaft und das zarte Pflänzchen Liebe beginnt zu knospen. Zusätzlich zu dem Ganzen kommt auch sein Job in Bewegung, er wird aushilfsweise als Verkäufer eingesetzt, macht dabei eine gute Figur und ist kurze Zeit später Verkaufsleiter im Elektronikfachgeschäft.
Nach weiteren pannenhaften Verkupplungsversuchen (und noch viel mehr lustigen Szenen darin) gibt es für die Zuschauer ein glückliches Happy End (Mann und Frau lieben sich, heiraten und zelebrieren die Hochzeitsnacht, die allerdings erst im zweiten Anlauf funktioniert, dann aber richtig) und in guter Theatermanier sieht man im Abspann noch einmal alle Figuren des Films hüpfend und tanzenderweise zu Liedern, die nach vertrauenswürdigen Aussagen aus Musicals der 70er Jahre (oder so) entsprungen sind.

Um mal zu den Skurilitäten das eine oder andere Wort zu verlieren. In regelmäßigen Abständen kommt es zu frechen Anspielungen.
So darf der schwarze (pardon, stark pigmentiert, man will ja politisch korrekt bleiben) Verkäufer immer mal wieder von seinen Vorstrafen oder von "netten" Begegnungen in der Knastdusche berichten. Ich denke, das trifft genau ins Schwarze (ups) und nimmt das stark geprägte Bild von weiß = gut und schwarz = böse etwas aufs Korn, auf eine sehr charmante Art und Weise.
Auch sehr lustig sind auch die beiden pakistanischen Verkäufer, die immer mal wieder in die Szene stoßen um skurrile Dinge von sich zu geben ("es geht nicht um puplochspielchen") und dann wieder das Weite suchen.

Ja ja... selten hat es ein Film geschafft, dass man über die echt blödesten Witze so herzhaft lachen konnte... gut, die Story war sehr geradlinig und einfach gestrickt, aber ein Film, der sich auf seinen Hauptdarsteller verlassen kann braucht auch garnicht mehr.

Alles in allem ein schöner Film, für Sneak-Verhältnisse sogar SEHR GUT.
Prädikat: Naughty and nice!

Dienstag, September 20, 2005

September 19, 2005: New Police Story

Naaaja....
Dass ich meinen Sneak-Blog mit einem dermaßen missratenen Film starten muss hätte ich ja wirklich nicht gedacht. Seis drum, mal ganz am Anfang anfangen...

Montag ist Kinotag. Halb 9 fängt der Film an und halb 8 treffen wir uns. Zu dieser Zeit dachten wir wohl alle noch, dass wir alle unsere Sünden der letzten Woche schon bereut oder dass die nicht bereuten zumindest nicht allzu tragisch sein würden. Denn was uns dann eine Stunde später erwartete war wirklich eine Strafe.

Jackie Chan dreht Filme. Filme mit reichlich Prügeleien, Verfolgungsjagden, sonstigen Actionszenen und flachen Witzen. Darauf haben wir uns nach der Ankündigung des Films "New Police Story" eingestellt gehabt.
Storymäßig geht es hierbei um folgendes: Ein erfolgreicher Polizist (Chang, gespielt von Jackie Chan) scheitert bei der Aufklärung eines spektakulären Banküberfalls durch eine Bande Jugendlicher ebenso spektakulär und verliert dabei 9 junge Kollegen, darunter der kleiner Bruder seiner Verlobten. Dieser Polizist lässt sich daraufhin beurlauben, verfällt dann in Schuldgefühle und Selbstmitleid und versumpft immer mehr. Als er total am Boden ist, taucht plötzlich ein neuer Partner (Frank)auf, der mit ihm den alten Fall wieder aufrollen will. Frank bringt Chang wieder auf die Beine und gemeinsam stellen sie Nachforschungen an und kommen der Bande auf die Schliche. Bei deren nächsten Überfall sind sie dann zur Stelle und konfrontieren die Mitglieder der Bande mit ihren schlimmsten Feinden, ihren Eltern. Als das aber dennoch nichts bringt und die Bande beginnt auf die anrückenden Polizisten zu feuern, müssen Chang und Frank die noch verbleibenden Bandenmitglieder (einige der ursprünglich Fünf sind nach und nach ausgeschaltet worden) stoppen. Um es kurz zu machen, den beiden gelingt es dem letzten Gangmitglied zu entkommen (Dieser wird dabei tragischerweise erschossen) und sie landen sicher und unversehrt in einer aufgeblasenen Luftkissen.
Am Ende wird dann noch einmal die zwischenzeitlich gekündigte Verlobung wieder erneuert und Hong-Kong ist wieder einmal vor schrecklichen Banden gerettet worden.

Und tatsälich gab es reichlich Prügeleien, Verfolgungsjagden, sonstige Actionszenen und sehr flache Witze, allerdings konnte der Film in keiner dieser Kategorien auch nur einen Blumentopf bei mir gewinnen.
Die Prügeleien waren nicht so spektakulär, wie man es sonst gewohnt ist, sondern mehr so ein Ich-hau-dich-und-du-haust-mich. Die Übertragung der Judo-Wettbewerbe bei der Olympiade haben mir mehr gegeben als diese Szenen.
Die Verfolgungsjagden waren sehr knapp gesät und die geringe Quantität ließ leider die Qualität nicht umgekehrt proportional steigen, sodass man maximal positiv anmerken könnte, dass es glücklicherweise nicht noch mehr schlechte Verfolgungen gab. Ich zähle hier jetzt mal die Sache mit dem Abseilen vom Hochhaus dazu. Die eine fährt mit Skates und einem Abseilkit eine Hauswand hinunter, da dachte ich noch, schöne Actionszene, sehr mutig das ganze. Auch der zweite Flüchtende auf seinem BMX und normaler Abseilausrüstung hat seine Sache toll gemacht. Wie nun Chang das hinbekommen hat mit seinen irgendwie um das Seil gewickelten Handschellen eine so gelungene Abseilaktion hinzulegen ist mit immer noch ein Rätsel. Übertroffen wird das aber wirklich sogar noch durch die von Frank benutzte Abseilvariante mit dem einmal um eine Stange gewickelten Seil. Respekt? Nein... unmöglich!
Nun gut, sonstige Actionszenen gab es auch. Da fährt ein Bus ohne Fahrer (Diesen hat irgendwas vom Stuhl gehauen und er ist dann tragischerweise mit dem Fuß auf dem Gaspedal zu liegen gekommen) einmal quer durch eine Einkaufsstraße zertrümmert massenweise Schaufenster, Telefonzellen, Glasdächer und befördert am Ende sogar noch einen Lastwagen ins Hafenwasser. Wenigstens die im Lastwagen geladenen Quietscheentchen waren danach glücklich in Freiheit.
Komische Szenen waren auch vorhanden, wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Lacher immer so eingeplant waren wie sie fielen. Es gab mehrere Szenen durch die man sich nur durch Kopfschütteln und leichtem Lachen retten konnte. Da ist zum Beispiel die Szene im Gefängnis. Frank und Chang fliehen aus ihrer Zelle. Fliehen ist nicht das richtige Wort, der Aufseher lässt "aus Versehen" den Schlüssel fallen, genauso "aus Versehen" schiebt eine Beamtin den Schlüssel dann ans Gitter heran, sodass die hinaus können. Auf der Flucht durch das Polizeigebäude stolpern sie über das eine oder andere (Mülleimer, Personen, Polizeipräsidenten) und werden jedes Mal nach kurzer Gedankenpause weiter ignoriert. Naja, Kopfschütteln, leicht Lachen und weiter...

In und um das Ganze herum gesponnen ist noch eine sehr rührende und nahegehende Liebesgeschichte zwischen Chang und seiner ehemals Verlobten, die nach und nach wieder zueinander finden und wie bereits gesagt am Ende die Verlobung mit beeindruckendem Publikum (ca 40 Polizisten und ebensoviele Krankenschwestern) doch wiederherstellen.

Ich finde das eine passt nicht zum anderen. Für eine Komödie war es nicht lustig genug. Für einen Actionfilm war es nicht brutal/schnell/laut genug, selbst die guten alten Kampfszenen kamen durch das ganze Drumherum zu knapp und die vorhandenen waren nicht wirklich gut. Und für jede weitere Einordnung fehlt sogar jede Rechtfertigung. Es bleibt dabei. Dies war kein guter Film...

Bewertung:
Krach-Faktor: ++
Lach-Faktor: +
Spannungs-Faktor: 0
Schnulz-Faktor: -
Nerv-Faktor: --

Ich habe mit SCHLECHT bewertet und hätte in SEHR SCHLECHT geworfen wenn es sowas gäbe. Vielleicht ist dieser Film etwas für echte Jackie Chan-Fans. Für mich jedenfalls nicht.