Montag, Oktober 10, 2005

Oktober 3, 2005: Brothers Grimm

Es war einmal vor langer langer Zeit, da begaben sich ein paar wackere Recken und einige holde Damen in eine Lokalität, die sich Cineplex Bruchsal nannte. Das Schicksal hatte ihnen auferlegt eine Prüfung zu bestehen. Ungewiss, was sie denn erwarten würde betraten unsere Helden also den Ort des Geschehens, suchten sich die passenden Plätze um der drohenden Gefahr entgegenzutreten und warten auf den Beginn ihrer Aufgabe.

Und so begab es sich, dass auf der anfänglich weißen Wand, wie von magischer Hand gezeichnet, plötzlich Bilder erschienen, welche nicht nur bewegt waren sondern scheinbar sogar fähig waren mit einander zu reden. Man konnte meinen die Wand erzählt unseren Helden eine ganze Geschichte...
Und zwar wie folgt...

Das Ganze spielt im französisch besetzten Deutschland um das Jahr 1800. Die Gebrüder Grimm ziehen als Erzähler und Schauspieler durch die Städte. Dabei nehmen sie geschickt lokale Sagen und Spukgeschichten als Aufhänger und inszenieren die Verbannung oder die Vertreibung der beschriebenen Geister, wilden Tiere oder anderen Bösewichte. Wilhelm ist dabei die treibende Kraft bei der Inszeneriung der Geisteraustreibungen, Jakob dagegen schreibt die Geschichten mit großer Leidenschaft auf und zieht daraus seine Motivation. Ihre Arbeit spricht sich im ganzen Land herum und eines Tages werden sie von den französischen Behörden durch Zwang und Tücke dazu gebracht, sich einer eigenartigen Serie von verschwundenen Kindern anzunehmen, die sich in einem Dorf abspielt.
Also ziehen die Grimms aus, in ihren leuchtenden und schillernden Rüstungen, um sich dem Schrecken anzunehmen, ständig begleitet vom aus Italien stammenden Haft- und Folterspezialisten, der die Aufgabe hat, die Grimms zu bewachen und die Aufklärung voranzutreiben.
Im besagten Dorf angekommen, machen sich die Grimms daran der Sache auf den Grund zu gehen. Sie begeben sich in den angrenzenden Wald, welcher schon einige Kinder zu sich geholt hatte und finden sich nicht herzlich willkommen. Äste und Wurzeln greifen nach ihnen und erschweren das Weiterkommen, einige Mitglieder des französichen Wachpersonals erleiden dabei einen vollständigen Verlust der Existenz.
Es stellt sich im weiteren Verlauf heraus, dass die oben im Turm eingeschlossene Königin sich durch junge Seelen weitere 500 Jahre Jugend beschaffen will. Dabei steht ihr ein Werwolf zur Seite, der ihr aus unbedingter Liebe heraus sogar die ursprünglich eigenen Kinder bringt.
Wilhelm und Jakob gehen das Problem mit den aus ihren Inszenierungen schon erprobten Methoden an und befreien am Ende nach artistisch-taktischer Meisterleistung unter der tatenreicher Mithilfe der Jägerin Angelika aus dem Dorf die gefangenen Kinder und bescheren sich selbst, dem Dorf und den Zuschauern ein glückliches Ende.

Der Film protzt mit schönen visuellen Effekten, angefangen von den sehr beweglichen und anhänglichen Bäumen über das "Monster aus dem Brunnen" sowie dem kinderfressenden Pferd bis zu einer der Schlussszenen, die das wieder erschönte Gesicht der Königin zerspringen und auseinanderbrechen lässt.
Darüberhinaus gibt es sehr viele - und ich nehme an, ich habe noch nicht einmal die Hälfte aller möglichen Hinweise entdeckt - Andeutungen zu Märchen aus den Sammlungen der (echten) Gebrüder Grimm.
Allerdings krankt das ganze für mich an ziemlich unsympathischen Figuren, aus denen sich nur Jakob hevorheben kann. Alle anderen sind entweder fies, gemein, arrogant, eingebildet oder einfach sonst nicht nett. Dass der Folterknecht am Ende durch die Showrüstung der Grimms dem Tod durch einen Pistolenschuss entgeht bringt ihn zwar auf die (dünn besetzte) Seite der Guten, aber das genügt noch nicht um ihn sympathisch zu machen.
Die Geschichte selbst ist, ganz märchentypisch, frei von überraschenden Wendungen, sondern steuert, sobald die Sache mal ins Rollen gekommen ist, zielgerichtet dem Ende entgegen. Rafinesse ist schwer zu finden.

Insgesamt ist es schwer sich über diesen Film eine Meinung zu bilden. Ich schreibe diesen Text jetzt mit einer Woche Abstand. Die Verzögerung kam auch durch andere (d.h. privat wichtigere) Dinge zustande, hat aber auch die Bewandnis darin, dass ich mit meiner Entscheidungsfindung noch nicht weitergekommen bin und so bleibe ich bei dem nach dem Kinoverlass getroffenen Urteil. Dieses lautet BEFRIEDIGEND. Also unentschieden.

1 Comments:

Blogger Ulrich said...

... erleiden dabei den völligen Verlust der Existenz? *kugel*

Hab schon gedacht ich werde hängen gelassen, aber hat sich ja dann noch alles zum Guten verkehrt (=

Super beschreiben, wie immer, macht Spass zu lesen, HÖR BLOß NICHT AUF (=

Oktober 11, 2005 5:19 vorm.  

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